Therapeutisches Schreiben

 

Wie schreiben?

 

Damit so etwas gelingen kann, ist das Schreiben mit einem Schreibgerät in der Hand wichtig. In meinen Workshops zum therapeutischen Schreiben lege ich deshalb Wert aufs Schreiben mit ästhetisch schönen Schreibutensilien wie mit Füllern, farbigen Stiften und phantasievoll gestalteten Blankobüchern. So wird Schreiben wieder sinnlich erfahrbar, anders als auf Tastatur oder Smartphone-Bildschirm. Beim Schreiben mit der Hand werden Inhalte in den unterschiedlichen Gehirnarealen abgespeichert und die Arbeit beider Gehirnhemisphären verbunden. Warum ist das wichtig? Erst die Kooperation der linken Gehirnhälfte (sie steht für logisches, rationales, lineares Denken)  mit der rechten (bildhaftes, ganzheitliches, "wildes" Denken) erschließt neue Denkmuster und Lösungsansätze. Per Hand geschriebene Texte verankern sich zudem besser im Gedächtnis. Gedachtes steht danach leichter zum Aussprechen zur Verfügung. Die angeleitete spielerische Haltung des kreativen Schreibens überwindet verbale Kommunikationsgrenzen durch Imaginationen. Gefühle, Gedanken und Erinnerungen werden geweckt und können dadurch überhaupt erst thematisiert werden.

 

Nachvollziehbar?

 

Ein weiterer ganz pragmatischer Vorteil des Schreibens innerhalb einer Therapie oder auch alleine: Man schafft ein konkret nachlesbares Ergebnis, das sich zudem noch jederzeit weiterentwickeln lässt. Wir schaffen durch das Schreiben Zeitdokumente und bewahren damit „Begreifbares“ vor dem Vergessen.

 

Wer kann schreiben?

 

Immer wieder werden auch diese Fragen gestellt: Für wen ist therapeutisches Schreiben geeignet? Braucht man Vorkenntnisse? Einfache Antwort: Außer

rudimentären Schreibkenntnissen bedarf es keiner Vorkenntnisse. Sogar korrekte Rechtschreibung oder Zeichensetzung sind nicht nötig, um therapeutisches

Schreiben gewinnbringend anzuwenden. Gerade die Freiheit von Regeln ist das Schöne am kreativen wie am therapeutischen Schreiben: Ich darf –fast–

schreiben, was, wie und worüber ich möchte. Ich lerne dabei, meine Produkte und den Prozess meines Schreibens wertzuschätzen. Das macht Spaß und

ganz von selbst freudige Lust auf mehr. Natürlich sind Menschen, die ohnehin gerne schreiben, umso begeisterter bei der Sache.

 

Schreiben kann in ambulantem, psychotherapeutischem Kontext zielgerichtet durch den Einsatz kreativer Methoden angeleitet werden, um Unbewusstes überhaupt erst ins Bewusstsein zu holen oder auch als spielerische Vorbereitung mit einer Prise Humor für ein anschließendes Gespräch. Sogar die Zeit zwischenTherapiestunden kann durch schriftliche „Hausaufgaben“ genutzt werden, um die therapeutische Arbeit zu unterstützen. Oft kann zunächst „Unsagbares“ erst nach dem Umweg übers Papier im nachfolgenden Gespräch verbalisiert werden.